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Klassensprecherseminar in Vestenbergsgreuth

Am Dienstag, den 17.10.2017, ist es um 09 Uhr in der Früh wieder soweit, 25 von 30 Klassensprecherinnen und Klassensprecher unserer Städtischen Wirtschaftsschule treffen sich, um sich mit einem extra angemieteten Bus wie im vergangenen Schuljahr auf den Weg nach Vestenbergsgreuth zu machen und dort bis zum 19.10.2017 unter Leitung des amtierenden Verbindungslehrers Herr Schölzel ihr jährlich zu Schuljahresbeginn stattfindendes Klassensprecherseminar in einem Selbstversorgerhaus abzuhalten. Im Vordergrund des diesjährigen Seminars soll wieder stehen, den KlassensprecherInnen die Bedeutung ihres Amtes bewusst zu machen, sie ferner als Mitglieder der Schülermitverantwortung (SMV) in ihrem Zusammenhalt bzw. das Gemeinschaftsgefühl zu stärken sowie jeden Einzelnen auf seine Aufgaben innerhalb seiner Klasse im Allgemeinen und für die gesamte Schule im Besonderen mit allerlei Handwerkszeug vorzubereiten. Gedankt sei an dieser Stelle bereits dem Elternbeirat unserer Schule sowie dem Freundeskreis der Wirtschaftsschule e.V., welche die jährliche Fahrt mit ihrem finanziellen Zuschuss überhaupt erst wieder möglich gemacht haben.

Nachdem sich die KlassensprecherInnen größtenteils pünktlich in der Schulaula getroffen haben, müssen am Abreisetag bis zur Abfahrt um 09:30 Uhr noch allerlei Lebensmittel und Getränke, welche Lukas Müller (D10D) noch kurz vor der Abfahrt sowie am Nachmittag des Vortages dankenswerterweise gemeinsam mit Herrn Schölzel in verschiedenen Supermärkten eingekauft hat, zum Bus getragen und eingeladen werden. Hierbei ist sich keiner zu schade und hilft tatkräftig mit, sodass wir pünktlich in Schwabach abfahren.

Gegen 10:50 Uhr erreichen wir nach einer knapp eineinhalbstündigen Fahrt unsere Unterkunft im Landkreis Erlangen-Höchstadt. Bereits kurze Zeit nach unserer Ankunft erhalten Herr Schölzel, ich und ein weiterer Klassensprecher von der zuständigen Hausverantwortlichen des Trägers eine kurze Einweisung durch die drei Etagen des Hauses. Ein Hauptaugenmerk liegt dabei insbesondere auf der Küche, da sich die Gäste in solch einem Selbstversorgerhaus um sämtliches Essen und Trinken selbst kümmern müssen. Um im Nachhinein kein böses Erwachen zu erleben, werden wir hinsichtlich der Küchennutzungsordnung und der Hausordnung kurz belehrt. In der Zwischenzeit müssen die restlichen Klassensprecherinnen und Klassensprecher vor dem Haus für etwa 20 Minuten ausdauernd warten, damit kein Durcheinander entsteht und die Übergabe planmäßig erfolgen kann. Als diese eigentlich schon über die Bühne gegangen zu sein schien, folgt der kurze Schock durch die Hausverwalterin: „Sie haben keine Bettwäsche gebucht und haben eigene dabei.“ Nach einer kurzen peinlichen Stille, in der die Lernenden Herr Schölzel und Herr Schölzel die Lernenden fragend anschaut, informiert Herr Schölzel die Frau darüber, dass er diese gebucht hätte und niemand Bettzeug dabei hätte. „Oh, da muss dann wohl irgendwo ein Fehler unterlaufen sein. Das Unternehmen, welches das Bettzeug reinigt, hat gestern die dreckige Wäsche abgeholt und nichts neu angeliefert“, sagt die Hausverwalterin. Im Folgenden ergibt sich eine spannende Suche nach 27 Kopfkissen- sowie Bettdeckenbezügen und entsprechend vielen Bettlacken. Indianer Jones befand sich auf der „Suche nach dem verlorenen Schatz“ – wir befinden uns in diesem Moment auf der „Suche nach den verlorenen Bettsachen“. Relativ schnell kratzt die Hausverwalterin die eiserne Reserve an Bettdeckenbezügen und Laken gerade so in der benötigten Menge zusammen, nur bei den Kopfkissenbezügen sieht es weiterhin schlecht aus. „Die Lernenden sollen einfach ein Laken um ihr Kopfkissen wickeln, davon haben wir noch ein paar übrig. Aber die reichen nicht – Ich bringe später nochmal von mir Zuhause die fehlenden Kopfkissenbezüge vorbei.“ Wir drei Wartenden haben in diesem Moment wohl ein und denselben Gedanken: Ein Hoch auf Leute, die so viele Kopfkissenbezüge zuhause haben – wobei wir das in dem Moment schon irgendwie komisch finden…

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Nachdem Herr Schölzel sämtliche organisatorischen Details mit der Hausverwalterin geklärt hat, werden die restlichen Mitglieder unserer Seminargruppe hereingebeten, um ihre Reisetaschen im Hausflur zwischenzulagern und sich zunächst zu einer kurzen Besprechung im Speiseraum zusammenzufinden. Als jeder einen Sitzplatz eingenommen hat, händigt Herr Schölzel den Klassensprecherinnen und Klassensprechern eine Mappe aus, der sie die wichtigsten organisatorischen Informationen für die kommenden Tage entnehmen können. Das Hauptaugenmerk liegt dabei zunächst auf dem detaillierten Terminplan des Seminars, welcher im Folgenden kurz besprochen wird und bereits spontane Änderungen an diesem vorgenommen werden. Direkt im Anschluss werden die Jugendlichen von Herrn Schölzel in ihre 4er- bzw. 5er-Zimmer – größtenteils nach Jahrgangsstufen geordnet – eingeteilt und es wird auf die Hausordnung hingewiesen. Gemeinsam mit den Klassensprecherinnen und Klassensprechern wird des Weiteren vereinbart, dass die 7. KlässlerInnen für das Frühstück, die Lernenden der achten und neunten Jahrgangsstufe für das Mittagessen und die 10. KlässlerInnen für das Abendessen verantwortlich seien. Auch wird gemeinsam festgelegt, dass jeder Lernende bis spätestens 08:15 Uhr im Frühstücksraum sein müsse. Nachdem die ersten organisatorischen Dinge geklärt sind, erhalten die KlassensprecherInnen eine kurze Freizeit, welche nach der Verteilung der Bettbezüge zum Bettenmachen der im ersten Obergeschoss befindlichen Zimmer, Ausruhen, Tischtennisspielen, Fußballspielen oder Kickern genutzt werden. Zeitgleich machen sich die für das heutige Mittagessen zuständigen 8. und 9. KlässlerInnen bis etwa 12:30 Uhr an die Arbeit, Wiener-Würstchen zu erhitzen, Brötchen aufzuschneiden, Getränke (Apfelsaftschorle, Cola-Mix, Wasser, Orangensaft, Tee) bereitzustellen sowie den Speisesaal einzudecken. Nachdem sich die Lernenden mit dem Mittagessen gestärkt haben, bleibt ihnen noch etwas Zeit, sich zu entspannen; die für das Essen Verantwortlichen kümmern sich zeitgleich um die Säuberung des Speisesaals und des Geschirrs, wofür sie dankenswerterweise auf eine Industriespülmaschine zurückgreifen können.

Um 13:30 Uhr treffen sich die Klassensprecherinnen und Klassensprecher wie von Herrn Schölzel zum Ende des Mittagessens vorgegeben im Seminarraum im 2. Obergeschoss des Selbstversorgerhauses, um mit der mehrtägigen Seminararbeit zu starten. Zu Beginn bespricht die Verbindungslehrkraft mit den anwesenden Lernenden Be-
deutung, Aufbau, Rechte und Aufgaben der SMV im Allgemeinen, bevor Herr Schölzel die Aufgaben der Klassensprecher- und Schülersprecher im Besonderen thematisiert. Alle Beteiligten gewinnen dabei einen Eindruck, auf was sie sich mit ihrer Wahl eingelassen haben und welcher Stellenwert sowie Bedeutung ihnen vonseiten der Schule sowie deren Leitung beigemessen wird.

Im weiteren Verlauf des Nachmittags übergibt Herr Schölzel die Gesprächsführung an den amtierenden ersten Schülersprecher, Selim Yilmaz (D9D), welcher den Anwesenden seine Erfahrungen aus seiner vergangenen Amtszeit berichtet. Ein großes Problem sei es gewesen, dass die KlassensprecherInnen nicht verstanden hätten, welche Verantwortung diese mit ihrem Amt trägen. Dies sei vor allem in den wöchentlich stattfinden Klassensprecherkonferenzen deutlich geworden (z.B. häufige Smartphonenutzung). Aus diesem Grund werden im Folgenden gemeinsam Regeln erarbeitet, welche sich die anwesenden Lernenden im Sinne einer konstruktiven Zusammenarbeit für die Zukunft selbst auferlegen. So soll beispielsweise jede/r KlassensprecherIn stets etwas zum Schreiben dabei haben, aufmerksam sein, mitarbeiten und die Smartphones hierzu in der Hosentasche lassen.

Anschließend stehen die Reflexion der SMV-Arbeit aus dem vergangenen Schuljahr und das Finden neuer Ziele für dieses Schuljahr an. Hierzu sammelt Herr Schölzel gemeinsam mit den Lernenden, welche SMV-Aktionen im vergangenen Schuljahr stattgefunden hätten. Selim Yilmaz informiert über die bisherige Entwicklung zu diesen Punkten. Noch nicht abgeschlossene Projekte dienen als Ausgangspunkt dafür, welche Aktionen in diesem Jahr stattfinden sollen. Danach ergänzen die Lernenden diese Liste mit Gedanken, was sie an der Schule störe und Vorschlägen, wie man diese Punkte ändern könnte. Am Ende dieses Teils steht fest, dass sich die SMV in diesem Jahr insbesondere folgende Themen vornehmen möchte: Neugestaltung der Schulkleidung, Information über einen Online-Vertretungsplan, Gestaltung der Abschlussfeier, Bestückung der neuen Automaten, Durchführung verschiedener Partys usw. Hierfür werden verschiedene Verantwortliche bestimmt, damit die Aufgaben der SMV auf mehrere Schultern verteilt werden. Laut dem amtierenden ersten  Schülersprecher sei es im vergangenen Jahr das Problem gewesen, dass manche alles und andere gar nichts in die SMV eingebracht hätten. Die Verantwortlichen der verschiedenen Aktionen werden mit ihrem Projekt jeweils einem/einer SchülersprecherIn zugeordnet. Zusätzlich werden auch Verantwortliche für das monatliche Protokoll, die Anwesenheitsliste, den Jahresbericht usw. bestimmt. Herr Schölzel informiert die KlassensprecherInnen darüber, dass ein erstes Brainstorming für die festgelegten SMV-Projekte im Rahmen von Gruppenarbeiten am nächsten Tag erfolgen wird.

Am späten Nachmittag des ersten Seminartages sollen nun nämlich zunächst die Verbindungslehrkräfte und SchülersprecherInnen gewählt werden. Hierzu händigt Herr Schölzel den Anwesenden eine Liste der wählbaren Lehrkräfte aus und geht diese schrittweise mit ihnen durch. Ziel ist es, dass jeder Lernende dem Namen der jeweiligen Lehrkraft ein Gesicht zuordnen kann. Im Anschluss daran lässt Herr Schölzel die KlassensprecherInnen für eine kurze Zeit alleine, um „unter sich“ über die verschiedenen Wahlmöglichkeiten zu beraten, damit insbesondere die KlassensprecherInnen der Eingangsklassen eine begründete Entscheidung treffen können. In der anschließenden Wahl wird Herr Schölzel wie bereits im Vorjahr im ersten Wahlgang in seinem Amt als erster Verbindungslehrer bestätigt. In einem weiteren Durchgang setzt sich Herr Korunig deutlich durch und wird in diesem Schuljahr als neuer zweiter Verbindungslehrer die SMV in ihrer Arbeit unterstützen.

Im Anschluss an die Wahl der Verbindungslehrer werden die SchülersprecherInnen gewählt. Hierzu gibt Selim Yilmaz einen kurzen Einblick in seine letztjährige Tätigkeit und Aufgaben. Von Herrn Schölzel werden im Folgenden Wahlvorschläge eingeholt und notiert. Insgesamt lassen sich elf KlassensprecherInnen für die bedeutungsvollen Ämter aufstellen. Um diese Verantwortung deutlich zu machen, lässt Herr Schölzel den Aufgestellten eine kurze Zeit, um sich ein „Wahlprogramm“ zu überlegen, welches sie im Anschluss von der Kreismitte aus den Anwesenden mit starken Emotionen vortragen. Jeder wird für seinen Mut, sich vor der Gruppe derart zu präsentieren, mit einem überwältigenden Applaus und dem verdienten Respekt gewürdigt. In einer ersten Stichwahl setzt sich Timo Seer (D10D) als erster Schülersprecher des Schuljahres 2017/2018 durch. Als zweiter Schülersprecher wird Aaron Leidner (V9A) und als weiblicher Gegenpol zu den beiden Jungs wird Alina Gebhard (Z11A) von den KlassensprecherInnen gewählt. Hiermit wird erfreulicherweise jede Form der Wirtschaftsschule (zwei-, drei- und vierjährig) durch eine/n SchülersprecherIn vertreten.

Bereits während der Wahl der Schülersprecher ist der stellvertretende Schulleiter, Claus Bauer, in unserem Selbstversorgerhaus angekommen. Dankenswerterweise bringt er uns das für das Abendessen erforderliche Grillfleisch und schürt mit Lukas Müller (D10D) zeitgleich bereits den Grill an. So ist es möglich, dass die für das Abendessen verantwortlichen 10. Klässler nach den Wahlen nur noch Beilagen und Salate zubereiten sowie Eindecken müssen – das Grillfleisch kann nahezu direkt auf den Grill gelegt werden. Entspannt und ausgeglichen sättigen die KlassensprecherInnen ihren großen Hunger beim Essen auf der Außenterrasse des Selbstversorgerhauses ab etwa 18:30 Uhr. Der Wettergott meint es nämlich bei überaus sonnigem Wetter des Spätherbstes und damit verbundenen Temperaturen um die 20°C gut mit unserem Klassensprecherseminar; so sitzen die meisten kurzärmlig und einige sogar in kurzen Hosen beim Essen.

Nachdem der Hunger jedes Lernenden gestillt ist und der Abwasch durch die 10. Klässler gemacht ist, finden sich die KlassensprecherInnen gegen 20:15 für etwa eineinhalb Stunden zu der seit dem letztjährigen Klassensprecherseminar obligatorisch stattfindenden offenen Fragerunde mit der Schulleitung statt, wozu Herr Bauer freundlicherweise die über einstündige Anreise auf sich genommen hat und der SMV-Arbeit damit seine Wertschätzung entgegenbringt. Im Seminarraum des zweiten Obergeschosses stellt der neue erste Schülersprecher, Timo Seer (D10D), dem stellvertretenden Schulleiter die Pläne der SMV für das kommende Schuljahr vor, woraufhin Herr Bauer Stellung bezieht. Verschiedene Themen werden offen sowie teils kontrovers diskutiert. Auch verschiedene weitere Lernende nehmen die Chance aktiv war, mit der Schulleitung mal Dinge in entspannter Atmosphäre zu besprechen. Nachdem die verschiedenen Aspekte angesprochen sind und deren Umsetzbarkeit thematisiert worden sind, wird ein weiteres Gespräch zwischen den SchülersprecherInnen, Herrn Bauer und Herrn Birle vereinbart. Nach der Fragerunde fassen die SchülersprecherInnen den ersten Seminartag nochmal für alle zusammen.

Während des Austausches mit Herrn Bauer ist Frau Olschina als zweite Aufsichtsperson dankenswerterweise zur Gruppe gestoßen und wird jeweils die beiden Nächte mit im Selbstversorgerhaus übernachten.

Gegen 21:45 Uhr verlassen die KlassensprecherInnen müde und geschafft den Seminarraum, um die Zeit bis 23 Uhr mit Gesprächen auf den Zimmern, Kickern, Tischtennisspielen usw. zu verbringen. Auch lassen sich wiederholt „diffuse“ Gesprächsrunden in der Küche – bei einer gepflegten Tasse Tee – ausmachen. Nachdem nach und nach sich die einzelnen Zimmer zum Schlafen aufmachen, läutet Herr Schölzel um 01 Uhr den „Zapfenstreich“ ein.

Am Mittwochmorgen des zweiten Seminartages schlagen die für das Frühstück verantwortlichen 7. KlässlerInnen gegen 07:30 Uhr in der Küche auf, um mit den diesbezüglichen Vorbereitungen zu beginnen: Es werden Brötchen aufgebacken, Eier und Kaffee gekocht, Wurst- und Käseplatten gelegt und in einem mit verschiedenen Obstsorten und Joghurt gespickten Frühstücksbuffet aufgebaut, worum viele Drei-Sterne-Hotels neidisch wären. Einzelne Lernende folgenden ihrem persönlichen Geschmack und bereiten sich gemeinschaftlich Rühr- und Spiegeleier zu. Nachdem der morgendliche Hunger gestillt ist und Speiseraum sowie Küche in die Reihe gebracht sind, schreiten die KlassensprecherInnen gestärkt und tatkräftig zum zweiten Tag des Klassensprecherseminars.

Gegen 09:00 Uhr treffen sich die Lernenden hierzu wieder im Seminarraum, um in der Folge in den verschiedenen Gruppen (Schulkleidung, Automaten, Vertretungsplan, Partys, Abschlussfeier) erste Konzepte auszuarbeiten. Hierzu teilen sich die verschiedenen KlassensprecherInnen den einzelnen Projekten und den für deren Planung sowie Durchführung zuständigen Verantwortlichen zu. Da die Abschlussfeier in diesem Jahr zum ersten Mal eigenverantwortlich von der SMV zu organisieren sein wird, zieht sich Herr Schölzel, welcher die Gestaltung der Veranstaltung bereits im letzten Jahr betreut hatte, mit den 10. KlässlerInnen zurück. Die restlichen Gruppen werden von Herrn Katheder betreut, der sich dankenswerterweise bereit erklärt hat, als weitere Aufsichtsperson am Klassensprecherseminar teilzunehmen und die verderblichen Lebensmitteln für das Abendessen anzuliefern. Nach einer umfangreichen Erarbeitungsphase steht auch schon wieder das Mittagessen an, wofür sich die 8. und 9. KlässlerInnen zur Zubereitung in die Küche begeben und Spaghetti mit Tomatensoße auf 12:00 Uhr zubereiten.

Im Anschluss an das Mittagessen und das damit verbundene eigenverantwortliche Aufräumen durch die KlassensprecherInnen der 8. und 9. Jahrgangsstufe treffen sich die Lernenden auf der Außenterrasse des Hauses, um möglichst viel vom vorherrschenden strahlenden Sonnenschein genießen zu können. In entspannter, von Sonne teils geblendeter Atmosphäre, präsentieren die einzelnen Gruppen ihre Ergebnisse den anderen und erhalten dafür von diesen sowie den Herren Katheder und Schölzel ein konstruktives Feedback. Es herrscht ein äußerst engagiertes und motiviertes Arbeitsklima, in dem die verschiedenen Projekt differenziert beleuchtet und sinnvolle Ergänzungen genannt werden.

Nach einer erholsamen Pause treffen sich die KlassensprecherInnen gegen 15 Uhr auf der großen Wiese neben des Selbstversorgerhauses – laut Herr Schölzel solle der Schwerpunkt des Seminars nun auf dem Teambildung der SMV-Gruppe in diesem Schuljahr liegen: Er achtet bewusst auf eine ausreichende Abwechslung zwischen Erarbeitung und Spiel bzw. Freizeit. Herr Katheder hilft Herr Schölzel beim Folgenden Team-Workshop, in dem es um die für eine Gruppe besonders wichtigen Punkte „Kennenlernen, Vertrauen, Kooperation und Abenteuer“ geht. Spielerisch werden erlebnispädagogische Elemente durchgeführt. So müssen die Lernenden beispielsweise gemeinsam mithilfe eines an einer Vielzahl von Schnüren befestigten Kranhakens verschieden große, schiefe Holzstücke an einem vorgegebenen Abladeplatz aufeinander stapeln, wozu es eines hohen Maß´ an Kooperationsfähigkeit bedarf. Auch spielen die Jahrgangsstufen gegeneinander das Spiel „Schraubendreher“, bei dem vier Lernende jeweils eine Mutter auf einer einen Meter langen Gewindestange gleichzeitig nach unten drehen müssen – die Gruppe, welche als Erstes alle vier unten hat, gewinnt – hier sind die 8.Klässler einfach unschlagbar. Daneben werden weitere Spiele zum Teambuilding durchgeführt, bezüglich derer Herr Schölzel und die SchülersprecherInnen im Nachgang deren Bedeutung für die SMV-Gruppe deutlich machen. Nachdem alle Spiele beendet sind, kommen die Lernenden nochmals im Seminarraum zusammen und leiten aus den verschiedenen Spielen ab, was sie unter einer „idealen Gruppe“ verstehen. Diese Aspekte halten die KlassensprecherInnen fest – sie sollen über das Schuljahr hinweg stets über der Arbeit der SMV stehen.

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Danach verabschieden sich die meisten Lernenden in die Freizeit, welche sie für die üblichen Aktionsmöglichkeiten nutzen. Die 10. KlässlerInnen beginnen zeitgleich tatkräftig mit der Zubereitung des Abendessen. Auf dem Speisezettel steht heute Abend das Zubereiten von Burgern. Hierzu werden vor allem Burger-Brötchen geschnitten und Pallets aus Hackfleisch geformt. Insbesondere bei dem in der Vorbereitung erforderlichen Zwiebelschneiden bleibt gerade bei der dritten Schülersprecherin kein Auge trocken. Doch trotz aller guten Worte seitens Herr Schölzel („Alina, es gibt doch keinen Grund zu weinen, findest du das Klassensprecherseminar etwa so schlimm?“) bleiben die Augen nicht trocken.

Im Anschluss an die obligatorischen Säuberungsaktionen in Küche und Speisesaal bittet Herr Schölzel die Seminaristen gegen 19:15 Uhr nochmal in den Seminarraum. In den folgenden neunzig Minuten werden den Lernenden erste Grundlagen im Schlichten von bzw. dem Umgang mit Konflikten vermittelt. Hierzu stellen die Klassensprecher der V9A, Aaron Leidner und Felix Biber, den anderen das Instrument des Klassenrates vor, welche sie bereits mehrfach unter ihrem Klassenlehrer, Herr Schölzel, durchgeführt haben. Überaus kritisch und reflektiert denken die anderen KlassensprecherInnen darüber nach, ob dieser Klassenrat auch in ihrer Klasse Sinn machen könnte. Danach beginnt Herr Schölzel den Lernenden Grundlagen der Gesprächsführung zu vermitteln und macht deutlich, dass diese Kenntnisse ihnen nicht nur für ihr Amt, sondern für ihr ganzes Leben im Umgang mit anderen (Mit)Menschen helfen kann. Er thematisiert hierbei, wie man Ratsuchenden grundsätzlich begegnen sollte, damit sich diese wertgeschätzt fühlen und sich den KlassensprecherInnen anvertrauen. Ebenfalls werden Dinge wie da Formulieren von Ich-Botschaften und das Aktive Zuhören besprochen. Des Weiteren wird deutlich, weshalb ein Konflikt stets niederlagenlos gelöst werden sollte. Ausgangspunkt von Konflikten seien Herrn Schölzel zur Folge in der Regel kleine Missverständnisse – die beiden Konfliktparteien haben schlicht und einfach aneinander vorbeigeredet bzw. der Zuhörer etwas anders verstanden, als es der Sprechende eigentlich gemeint habe. So gäbe sich ein Wort das andere und schnell befinden sich beide Personen in einem Teufelskreis der Widerworte, aus denen die KlassensprecherInnen ihnen im Rahmen ihres Amtes helfen sollen. Aber es ist klar, je größer ein Konflikt, desto schneller sollte der Kontakt mit Klassenleitung oder Beratungslehrkraft gesucht werden. Um die Schwere des Konfliktes einschätzen zu können, wird an diesem Abend die Dynamik (Provokation – Gesichtsverlust – Suche nach Verbündeten – körperliche Gewalt – Zerstörung des anderen) von Konflikten besprochen. Im Rahmen der Lösung sollen sich die KlassensprecherInnen stets an Phasen des Konfliktgesprächs (Problemwahrnehmung – Erklärungen – Lösungsmöglichkeiten – Zielvereinbarungen) und bestimmte Rahmenbedingungen halten.

Nachdem Herr Schölzel den Klassensprecherinnen einen groben Überblick über den Umgang mit Konflikten vermittelt hat, beendet er der offiziellen Teil des heutigen Seminartages mit der Hausaufgabe, dass die Lernenden sich die besprochenen Aspekte nochmals bis zum nächsten Klassensprecherseminar durchlesen sowie Unklarheiten notieren und klären. Schließlich werden alle je drei KlassensprecherInnen in Gruppen eingeteilt, welche bis zu diesem Termin ein kurzes Rollenspiel vorbereiten sollen, indem sie das vermittelte Wissen anwenden sollen. Hierzu erhält jede Gruppe von Herrn Schölzel je drei Rollenkarten (zwei Streitparteien und ein/e KlassensprecherIn).

Im Anschluss an diesen Seminarteil kann ab 20:30 Uhr jeder, wie ausgemacht, selbst entscheiden, wie er den letzten Abend des Klassensprecherseminars verbringen will. Einige machen es sich mit Herrn Schölzel im Seminarraum auf der Großbildleinwand beim Schauen des Champions League Spiels des FC Bayern München gemütlich, andere verbringen die Zeit mit Frau Olschina, welche für die Nacht wieder dankenswerterweise vorbeigekommen ist, und Herrn Katheder am extra angeschürten Lagerfeuer und essen dabei Marshmallows.

Gegen 23:30 Uhr kommen auch die Letzten vom Lagerfeuer herein und verbringen die restlich Zeit bis zum „Zapfenstreich“ um 01:00 Uhr beim Spielen von Gesellschaftsspielen im Speiseraum oder auf den Zimmern bei interessanten Gesprächen.

Der letzte Seminartag beginnt wieder mit einem schmackhaften, von den 7. KlässlerInnen zubereiteten, Frühstück, bevor sich die Gruppe letztmalig im Seminarraum im zweiten Obergeschoss zur Abschlussbesprechung trifft. Im Rahmen dieser fassen die SchülersprecherInnen nochmals die Geschehnisse des Klassensprecherseminars zusammen. Herr Schölzel holt sich abschließend noch ein Feedback ein, um mögliche Verbesserungsvorschläge im nächsten Jahr berücksichtigen zu können. Im Anschluss weist Herr Schölzel die KlassensprecherInnen auf die anstehenden Tätigkeiten im Rahmen des Hausputzes hin, welche innerhalb von etwa zwei Stunden durchzuführen seien: Zimmer und Flure saugen, Müll sortieren (je nach persönlicher Vorliebe durfte der Biomüll mit oder ohne Handschuhen nach Restmüll und Plastik durchwühlt werden), Küche ausräumen, Vorräte verstauen usw.

Zu guter Letzt und nach ausgeführter Arbeit trifft Herr Schölzel mit Lukas Müller (D10D) auf die Hausverantwortliche, um die Endabnahme des Hauses vorzunehmen, wozu der restliche Teil der Gruppe wieder vor dem Haus warten muss. Nach etwa 30 Minuten ist nun alles geklärt und die SMV-Gruppe kann sich mit einem lachenden und einem weinenden Auge – und kurzzeitiger Unruhe auf Grund eines vermeintlich verlorenen Smartphones – wieder mit dem bereits wartenden Bus auf den Heimweg nach Schwabach machen.

Nachdem im Rahmen dieses Klassensprecherseminars der Grundstock für ein erfolgreiches Jahr der SMV gelegt ist, freuen sich alle auf die zukünftige gemeinschaftliche Zusammenarbeit – mit all ihren Höhen und zu erwartenden Tiefen, welche die Gruppe jedoch nur noch stärker werden lassen werden. Wenn ich unsere SMV-Arbeit mit der an andern Wirtschaftsschulen vergleiche, so können wir meiner Meinung nach mehr als stolz auf diese sein: Wir halten zusammen, gestalten die Schule sowie Schulklima aktiv mit und werden diesbezüglich von der Schulleitung mit unserer Stimme gehört.

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Mein persönliches Fazit bezüglich des Klassensprecherseminars in Vestenbergsgreuth ist sehr positiv. Im Großen und Ganzen sind die Tage überaus reibungslos verlaufen und sind zur konstruktiven Arbeit genutzt worden. In den Tagen haben sich die KlassensprecherInnen neue Kompetenzen aneignen können, die nicht nur für ihr aktuelles Amt, sondern auch für ihr späteres Berufs- und Arbeitsleben sehr hilfreich sein werden. Außerdem ist die Gruppe zu einer Gemeinschaft zusammengewachsen, was die Zusammenarbeit in der Zukunft erleichtern und erfolgreich gestalten wird. Ich bin überaus froh, dass ich diese Erfahrungen habe sammeln und die angesprochenen Kompetenzen habe erlernen können.

Lukas Müller (D10D) & Christian Schölzel (Verbindungslehrer)