newcollectio-neu

Berufsschulreferendare in der Übungsfirma

ZA3, ZE1 und PLN. MEK, PCT, ojemine

Nein, wir sind nicht auf einem Konzert von Fanta Vier gelandet – auch wenn es sich zugegebener Maßen für uns am Anfang unseres Einsatzes in der Übungsfirma manchmal danach anhörte.

Aber erst mal der Reihe nach: wir – das sind Referendare der Berufsschule, die wöchentlich drei Schulstunden live dabei sein dürfen, wenn aus Schülerinnen und Schülern plötzlich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden.

Dem ein oder anderen Leser stellt sich nun aber möglicherweise folgende Frage: Was machen Referendare der Berufsschule in der Übungsfirma der Wirtschaftsschule? Dazu folgende Hintergrundinformationen: Das schulische Einsatzspektrum für Lehrkräfte an kaufmännischen, beruflichen Schulen ist so breit gefächert, wie die Schullandschaft im beruflichen Bereich selbst. Für uns bedeutet dies, dass wir in Berufsschulen, Berufsfachschulen, Fachoberschulen, Berufsoberschulen oder eben an Wirtschaftsschulen eingesetzt werden können. Aufgrund der räumlichen Nähe der Berufs- und Wirtschaftsschule Schwabach sowie der Tatsache, dass beide Schulen in Personalunion von Herrn Birle  geleitet werden, entstand bei diesem und unseren Seminarlehrerinnen Frau Nordhus (BS) und Frau Korunig (WS) die Idee, den Referendaren der Berufsschule die Möglichkeit zu geben, auch in der Wirtschaftsschule Erfahrungen zu sammeln und umgekehrt.

Aus diesem Grund schreiten wir nun einmal wöchentlich durch den gläsernen Durchgang, der beide Schulen verbindet, um zusammen mit den Schülerinnen und Schülern der „trockenen“ Theorie verschiedener Fächer in der Übungsfirma Leben einzuhauchen. Für uns Referendare ist der Einsatz an der Wirtschaftsschule sehr gewinnbringend, denn ein Teil unserer Schülerschaft an der Berufsschule hat schließlich selbst in den vorherigen Jahren in einer Wirtschaftsschule die Schulbank gedrückt und wurde womöglich genau dort dazu inspiriert und motiviert einen kaufmännischen Beruf zu ergreifen. Und einen dieser Lernorte dürfen wir in unserem ÜFa-Einsatz näher kennenlernen, wobei sich jetzt möglicherweise einige Leser fragen: Ja, was ist denn die Übungsfirma überhaupt?

Innerhalb der Übungsfirmenarbeit wird mithilfe fiktiver Unternehmen die reale Geschäftswelt simuliert. Mit Apollo Optik und dem Zweirad Sportcenter gibt es an der Wirtschaftsschule Schwabach zwei Übungsfirmen, welche die gleichnamigen regionalen, real existierenden Betriebe simulieren.

Innerhalb von zwei Schuljahren durchlaufen die Schüler in jeweils drei Wochenstunden alle Abteilungen der Übungsfirma – angefangen vom Posteingang (PE) über die Auftragsbearbeitung (AB), das Handelswarenlager (HWL), die Kundenbetreuung (KB), die Werbung (W), den Materialeinkauf (MEK), den Warenversand (WV), die Fakturierung (FA), die Zahlungsein- und ausgangsabteilungen (ZE 1,2 und ZA 1, 2, 3) bis hin zum Postausgang (PA). Die Schüler lernen in der jeweiligen Abteilung alle notwendigen Arbeitsschritte kennen und führen diese selbstständig aus. Dabei erstellen sie reale Belege wie Auftragsbestätigungen, Lieferscheinsätze und Rechnungen, dokumentieren ihre Arbeitsschritte in Auftragsbüchern und wickeln sämtliche Vorgänge im Einkaufs- und Verkaufsbereich sowie im Rechnungswesen eigenverantwortlich über ein eigens entwickeltes Internet-Portal online ab. Mithilfe von Briefen, E-Mails und internetbasierten Diensten, wie beispielsweise Online-Banking, handeln und kommunizieren die Übungsfirmen des bayerischen Übungsfirmennetzwerks so miteinander, wie es auch real existierende Unternehmen tun.

Durch die Arbeit in der Übungsfirma werden theoretisch erworbene Fähigkeiten und Fertigkeiten aus vielen anderen Unterrichtsfächern verknüpft und praktisch angewandt. Durch die starke Handlungsorientierung des Übungsfirmenkonzepts wird nicht nur die Motivation der Schüler verstärkt, sie erwerben außerdem vielfältige Kompetenzen. Neben der Fachkompetenz gehören hierzu unter anderem das Denken in Zusammenhängen, die eigenverantwortliche Durchführung von Arbeiten, der Umgang mit EDV-Soft- und Hardware sowie das Arbeiten im Team. Der Erwerb vieler dieser Schlüsselqualifikationen erleichtert den Schülern den späteren Einstieg ins Berufsleben.

Eines ist klar – die Arbeit in der Übungsfirma stellt für die Schüler eine willkommene Abwechslung zum „normalen“ Lernen dar, da sie hier die Gelegenheit haben, ihr gelerntes Wissen unmittelbar umzusetzen. Ganz nebenbei setzen sich die Schüler aktiv mit Prozessen auseinander, die für eine Vielzahl von Industrie- und Dienstleistungsunternehmen repräsentativ sind. Für ihre spätere Berufswahl sind diese Erfahrungen mit Sicherheit sehr wertvoll.

Zusammenfassend können wir feststellen, dass nicht nur den Schülern die abwechslungsreiche Arbeit in der Übungsfirma (meistens) Spaß macht – auch wir profitierten in vielerlei Hinsicht von unserem Einsatz dort und sind dankbar dafür, dass wir diese Gelegenheit wahrnehmen durften.

Andrea Brödel, Clemens Frank, Tina Kaiser & Christina Scherer